Für Tobias Hannen, Ingenieur für Digitalisierung Industrieller Prozesse / Projekt Manager Space International bei MTA, ist klar, dass sich dieser Wandel nicht allein mit neuen Maschinen bewältigen lässt. „Früher haben wir eher kleine Serien gefertigt. Heute sprechen wir über mehrere tausend Bauteile pro Jahr. Damit verändern sich die Anforderungen komplett. Prozesse müssen transparenter werden und unsere Mitarbeiter müssen jederzeit wissen, welche Aufgaben anstehen und wie sie sich darauf vorbereiten können.“ Um diese Transparenz zu schaffen, entschied sich MT Aerospace für das Manufacturing Execution System COSERA von GROB – und das, obwohl im Unternehmen keine einzige Maschine des Mindelheimer Maschinenbauers im Einsatz ist.
Ein System, das zur Produktion passt
Als MT Aerospace nach einem Nachfolgesystem für sein bestehendes MES suchte, standen mehrere Anbieter zur Auswahl. Das vorhandene System erfüllte die Anforderungen der wachsenden Produktion nicht mehr. Gesucht wurde deshalb eine Lösung, die sich nahtlos in die bestehende Systemlandschaft einfügt und gleichzeitig genügend Flexibilität für zukünftige Anforderungen bietet. „Wir haben uns mehrere Anbieter angeschaut“, erinnert sich Tobias Hannen. „Am Ende war für uns entscheidend, dass GROB unsere Prozesse sehr schnell verstanden hat. In den Gesprächen mussten wir nicht lange erklären, welche Herausforderungen wir haben. Man hat sofort gemerkt, dass dort Fertigungs-Know-how vorhanden ist.“
Ein weiterer Pluspunkt war die enge Integration in SAP. Änderungen an Arbeitsplänen oder zusätzliche Arbeitsschritte werden direkt übernommen, ohne dass Informationen mehrfach gepflegt werden müssen. „Genau das wollten wir erreichen. Wenn sich etwas im SAP ändert, soll diese Information unmittelbar beim Werker ankommen. Das spart Zeit und verhindert Missverständnisse.“, so Hannen.
Dass GROB die Software in der eigenen Produktion einsetzt und zusätzlich Referenzkunden besucht werden konnten, gab dem Projektteam von MTA weiteres Vertrauen. „Es war für uns wichtig, das System nicht nur in einer Präsentation zu sehen. Beim Referenzkunden konnten wir mit den Anwendern sprechen und erleben, wie COSERA im Alltag genutzt wird. Diese Einblicke waren für unsere Entscheidung sehr wertvoll.“, so Hannen.
Rückverfolgbarkeit ist keine Option, sondern Pflicht
In der Luft- und Raumfahrt gelten höchste Anforderungen an Qualität und Dokumentation. Nahezu jedes gefertigte Bauteil bei MT Aerospace besitzt eine eindeutige Seriennummer. Jeder Bearbeitungsschritt muss vollständig nachvollziehbar sein. „Unsere Kunden erwarten eine vollständige Rückverfolgbarkeit“, erklärt Hannen. „Wir müssen jederzeit sagen können, welcher Mitarbeiter an welchem Bauteil gearbeitet hat und wo dieses Bauteil später eingesetzt wurde.“
Genau diese Transparenz konnte GROB liefern. Mit COSERA stehen die gesamten Informationen zentral für MTA zur Verfügung. „Heute sehen wir auf einen Blick, wo sich ein Auftrag befindet und ob es irgendwo zu Verzögerungen kommt. Früher mussten wir dafür Papierlaufkarten durchsuchen.“, erinnert sich Hannen.
Vom Bauchgefühl zu Echtzeitdaten
Mit steigenden Produktionszahlen von MT Aerospace reicht es nicht mehr aus, den Fertigungsstatus über Papierlaufkarten oder einzelne Rückmeldungen nachzuvollziehen.
Heute genügt ein Blick auf das Produktionsmonitoring von COSERA. „Wir sehen in Echtzeit, wo sich unsere Produkte befinden, welchen Status sie haben und ob irgendwo Abweichungen auftreten. Dadurch können wir viel schneller reagieren.“, freut sich Alexander Müller, Produktionsleiter Großtank Fertigung bei MTA.
Auch Liegezeiten zwischen einzelnen Arbeitsgängen lassen sich heute exakt auswerten. So erkennt MT Aerospace frühzeitig, wenn sich Engpässe entwickeln oder einzelne Bereiche beginnen, sich aufzustauen. „Wir sehen sehr genau, wo Produkte liegen bleiben und an welcher Anlage sich ein Bottleneck entwickelt. Dadurch können wir gegensteuern, bevor sich die Verzögerungen auf die gesamte Produktion auswirken.“, so Müller.
Informationen dort, wo sie gebraucht werden
Von der Digitalisierung profitieren nicht nur die Produktionsleiter, sondern vor allem die Mitarbeiter an den Anlagen. Früher mussten sie häufig zwischen verschiedenen Programmen wechseln, um Zeichnungen, Stücklisten oder Messdaten aufzurufen. Heute bündelt COSERA sämtliche Informationen direkt am Auftrag.
Marco Diener, Maschinenbediener FSW-Schweißanlage bei MTA beschreibt den Unterschied aus seinem Arbeitsalltag so: „Wenn ich morgens an die Anlage komme, sehe ich sofort, welche Arbeiten anstehen und welche Bauteile als Nächstes bearbeitet werden. Zeichnungen und Arbeitsanweisungen sind direkt hinterlegt. Früher musste man dafür mehrere Systeme öffnen.“
Auch Rückmeldungen lassen sich dank COSERA deutlich schneller erfassen.
„Maschinenzeiten oder Rüstzeiten buche ich heute mit wenigen Klicks. Das spart Zeit und macht die Arbeit einfacher.“, erzählt Diener.
Maschinen überwachen, statt auf Störungen zu warten
Neben der Produktionssteuerung nutzt MT Aerospace auch die Maschinendatenerfassung von GROB. Dadurch stehen Zustände und Leistungsdaten der Anlagen jederzeit zur Verfügung. Programme können analysiert, Vorschubreduzierungen erkannt und Stillstände automatisch gemeldet werden. Gerade bei mannlos betriebenen Anlagen bringt das deutliche Vorteile. „Wenn nachts eine Maschine stehen bleibt, bekommt der zuständige Mitarbeiter automatisch eine Nachricht auf sein Handy. Dadurch reagieren wir sofort und nicht erst Stunden später.“, so Patrick Thurner, Sales & Operations Planer bei MTA.
Auch im Bereich der additiven Fertigung konnte das Unternehmen seine Prozesse verbessern. Sensoren überwachen beispielsweise Füllstände und lösen rechtzeitig Benachrichtigungen aus, bevor Material fehlt oder ein Maschinenstillstand entsteht. „Früher haben wir oft erst bemerkt, dass eine Anlage stehen geblieben ist, wenn jemand zufällig vorbeigekommen ist. Heute passiert das alles automatisch.“, fasst Thurner zusammen.
Gemeinsam entwickelt statt von der Stange
Für die Einführung des neuen Systems hatte MT Aerospace ursprünglich rund zweieinhalb Jahre eingeplant. Bereits drei Wochen nach Projektstart lief COSERA bereits auf den Servern des Unternehmens. „Wir konnten das System den Mitarbeitern sehr früh zeigen. Das war uns wichtig, weil wir sie von Anfang an in das Projekt einbinden wollten.“, betont Hannen.
Nach einem Pilotprojekt in der additiven Fertigung folgte Schritt für Schritt der Rollout in den weiteren Produktionsbereichen. Während der gesamten Einführung arbeiteten die Projektteams von MT Aerospace und GROB eng zusammen. „Wir hatten regelmäßige Workshops und konnten unsere Anforderungen direkt besprechen. Viele Themen betrafen nicht nur das MES, sondern auch SAP oder unser Qualitätsmanagement. Genau diese Offenheit in der Zusammenarbeit hat uns sehr geholfen.“, erinnert sich Hannen.
Software, die unabhängig vom Maschinenpark funktioniert
Das Projekt zeigt, dass die digitalen Fertigungslösungen von GROB nicht an einen bestimmten Maschinenhersteller gebunden sind. MT Aerospace betreibt eine heterogene Maschinenlandschaft unterschiedlichster Hersteller. COSERA verbindet diese Anlagen und schafft eine gemeinsame Datenbasis.
Für GROB ist das inzwischen kein Einzelfall mehr. Immer mehr Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Fertigung von Einzel- oder Kleinserien auf höhere Stückzahlen auszurichten. Dabei spielt es keine Rolle, welche Maschinen bereits vorhanden sind. Entscheidend ist die Transparenz über alle Prozesse hinweg.
Optimal aufgestellt für die Zukunft
Für Tobias Hannen war das Projekt nie nur eine Einführung einer neuen Software. Es ging darum, die Produktion langfristig auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten. „Wer heute ein MES-System auswählt, sollte nicht nur auf die aktuellen Probleme schauen. Viel wichtiger ist die Frage, wo das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren stehen möchte. Genau danach sollte man die Lösung auswählen.“, betont Hannen abschließend.
Mit COSERA hat MT Aerospace dafür die Grundlage geschaffen. Die Fertigung ist transparenter geworden, Entscheidungen basieren auf Echtzeitdaten und Mitarbeiter greifen schneller auf alle relevanten Informationen zu. Voraussetzungen, die notwendig sind, um den geplanten Ausbau der Produktion erfolgreich umzusetzen.




